Architektur der Transformation: Zukunftsperspektiven für Kommunen

Die Stadtentwicklung von Trofaich als Good Practice-Beispiel in zwei Berliner Ausstellungen

Das Architekturbüro nonconform sowie seine Konzepte und Strategien gegen leere Ortszentren sind Teil zweier prominent besetzter Berliner Ausstellungen. Sie verhandeln die Zukunft der Architektur u. a. am Beispiel der steirischen Stadt Trofaiach und des von nonconform inspirierten Belebungsprogramms.

In der deutschen Hauptstadt widmen sich derzeit gleich zwei Häuser der Zukunft des Bauens: Im Aedes Architecture Forum begeben sich die KuratorInnen auf die Suche nach neuen ökologischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Maßstäben, damit Architektur positiv zum ökosozialen Wandel beitragen kann. Das Deutsche Architektur Zentrum (DAZ) wiederum sorgt sich um den gebauten Bestand, der nicht – ohne Bedacht ersetzt – auf der Müllhalde landen soll. Strategien sind gefragt.

Die obersteirische Stadt Trofaiach wird in den Ausstellungen zum Modell für die Orts- und Stadtkernentwicklung sowie das Bestreben, Leben zurück in den Bestand zu bringen. Der von nonconform initiierte Prozess und die geplanten Maßnahmen in der rund 11.000 EinwohnerInnen zählenden Stadt stehen exemplarisch für eine partizipative, langfristig angelegte Zukunftsentwicklung im ländlichen Raum.

Human Scale Remeasured
Aedes Architecture Forum, Berlin

Ausstellungsdauer: 16. Jänner bis 13. Mai 2021 (derzeit geschlossen)
Video zur Ausstellung: https://vimeo.com/510621631
www.aedes-arc.de

Die Aedes-Galerie in Berlin macht sich in ihrer Ausstellung „Human Scale Remeasured“ über neue Maßstäbe für die Architektur Gedanken: Wie können aktuelle Herausforderungen – ganzheitlich betrachtet – einen positiven Wandel bewirken? Projekte von ArchitektInnen und PlanerInnen zeigen wie Städte, Lebensräume und Arbeitswelten gleichzeitig ökologisch nachhaltig wie gesellschaftlich und wirtschaftlich ausgewogen gestaltet werden können.

Die KuratorInnen wählten insgesamt zehn Beiträge von internationalen Universitäten sowie 15 architektonische und urbane Projekte – von Australien bis nach Costa Rica – aus, darunter die Belebung der Ortsmitte in Trofaiach. Besondere Aufmerksamkeit gilt der umfangreichen siedlungsmorphologischen Analyse, dem breit angelegten BürgerInnenbeteiligungsprozess sowie den daraus entwickelten kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen für eine lebenswerte Zukunft in der obersteirischen Stadt.

Sorge um den Bestand – Zehn Strategien für die Architektur
DAZ Deutsches Architektur Zentrum, Berlin

Ausstellungdauer: 3. Dezember 2020 bis 28. März 2021 (derzeit geschlossen)
Digitale Führung durch die Ausstellung: https://vimeo.com/486716020
www.daz.de

Das DAZ, das Deutsche Architektur Zentrum in Berlin, hat „Sorge um den Bestand“ und meint damit sowohl das Sorgetragen für einen Gebäudebestand als auch für gewachsene soziale Strukturen und den Fortbestand unserer Erde. ArchitektInnen und UrbanistInnen präsentieren im Rahmen der Ausstellung zehn Strategien, wie mit Bestand umgegangen werden kann.

Einer der zehn Ansätze kommt von Roland Gruber, Maria Isabettini und Peter Nageler vom Architekturbüro nonconform. Sie möchten vereinsamte Ortskerne, die in ganz Europa zu einer Herausforderung werden, nicht aufgeben und postulieren: „Aus Donuts müssen Krapfen werden“. Der Donut ist als Analogie für leere Zentren zu verstehen, die wieder gefüllt werden sollen. Auf Marmeladegläsern veranschaulichen die ArchitektInnen was notwendig ist, um gemeinsam mit den Menschen vor Ort Zukunftsbilder ihrer Gemeinde zu entwickeln und einen Prozess voranzutreiben.

Die gleichnamige Publikation zur Ausstellung portraitiert unter anderem den Entwicklungsprozess der Stadtgemeinde Trofaiach und ihren Bürgermeister Mario Abl. Seit 2015 begleitet nonconform die obersteirische Kleinstadt bei der strategischen Ortskernbelebung.

Zitate

„Dass zwei derart prominente Ausstellungshäuser in Deutschland unser Tun aufgreifen und dem Publikum als beispielhaft für die Zukunft der Architektur präsentieren, freut uns extrem. Wir müssen das Leben zurück in die Ortskerne bringen. Dafür braucht es neue, alternative Zugänge. Mutig nach innen wachsen, lautet die oberste Devise. Nur so können wir der weiteren Zersiedelung und dem damit einhergehenden Bodenverbrauch entgegen wirken und gleichzeitig den Orten ihre Identität zurückgeben.“
Roland Gruber, Gründer und Geschäftsführer, nonconform

„Wir stehen mit Trofaiach trotz jahrelanger Arbeit erst am Anfang des Transformationsprozesses. Veränderung ist kein linearer Weg – und oft gehen wir zwei Schritte nach vorne, dann wieder einen Schritt zurück. Wesentlich aber ist, dass wir gemeinsam mit nonconform, der Bevölkerung und engagierten Gestaltenden vor Ort eine zukunftsfähige Strategie ausgearbeitet haben. Wir sehen eine riesige Chance für unser Zentrum und sind zu hundert Prozent überzeugt, dass das Herz der Stadt der wichtigste Begegnungsraum für Bürgerinnen und Bürger ist. Die internationale Anerkennung für unseren Trofaiacher Weg der Erneuerung freut uns natürlich sehr und stärkt uns in unseren nächsten Umsetzungsschritten.“
Mario Abl, Bürgermeister von Trofaiach, Steiermark