nonconform Baureduktionsplanung: mehr nutzen – weniger bauen!
Wie nonconform mit Zukunftsraum-Entwicklung neue Handlungsspielräume für Städte, Gemeinden, Bildungseinrichtungen und Unternehmen öffnet – und dabei Budgets und Klima schont.

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Mehr nutzen – weniger bauen!
Steigende Baukosten, knappe öffentliche Budgets und der Druck zur Klimaneutralität verändern die Bau- und Immobilienbranche grundlegend. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Gebäude und Infrastrukturen: Schulen sollen Ganztagsbetrieb ermöglichen, Unternehmen ihre Arbeitswelten transformieren und Gemeinden ihre Ortskerne beleben. Die Baureduktionsplanung von nonconform setzt genau hier an: Sie hinterfragt, was tatsächlich gebaut werden muss, und entwickelt Lösungen, die mit weniger baulichem Eingriff mehr Nutzen schaffen.
Die klassische Antwort auf diese Herausforderungen lautet noch immer: neu bauen, noch mehr Boden versiegeln, alte durch neue Bausubstanz ersetzen. nonconform stellt diese Logik infrage. Das in Österreich und Deutschland tätige Büro für Zukunftsraum-Entwicklung verfolgt unter dem Stichwort Baureduktionsplanung einen Ansatz, der Bauvolumina bewusst reduziert: Durch präzise Analyse der Bedarfe sowie vorhandener Raumstrukturen, durch kluges Umorganisieren und bessere Nutzung entstehen zukunftstaugliche Projekte mit reduzierter Baunotwendigkeit, mehr Raumqualität, hoher Nutzungsvielfalt, flächensparend, zu geringeren Kosten und mit besserer CO2-Bilanz.
Planung vor der Planung: Gehirnschmalz statt Beton
Baureduktionsplanung beginnt nicht mit dem Entwurf eines Gebäudes, sondern mit einer grundlegenden Frage: Was braucht man wirklich – und wie lässt sich dieser Bedarf mit möglichst wenig baulichem Eingriff erfüllen? Denn: „Der größte Hebel für Kosten- und Klimareduktion ist der gar nicht erst bebaute Quadratmeter. Er spart nicht nur Investitionskosten, sondern benötigt auch keine jahrzehntelangen Ausgaben für Betrieb, Energie und Instandhaltung“, sagt Roland Gruber, Gründer und Partner von nonconform. Statt Bauvolumina zu maximieren, plädiert nonconform für Nutzungsvielfalt und Multifunktionalität. Gebäude und Infrastrukturen werden dabei als „Systeme“ betrachtet, in denen Räume unterschiedliche Funktionen erfüllen können – je nach Tageszeit, Nutzer*innen-Gruppe oder organisatorischem Konzept. Baureduktionsplanung stellt deshalb die herkömmliche Planungslogik auf den Kopf: Der Entwurf steht nicht am Anfang, sondern am Ende eines intensiven Klärungsprozesses, der sogenannten „Phase Null“.
Baureduktionsplanung gemeinsam entwickeln
In deren Verlauf versucht nonconform gemeinsam mit Auftraggeber*innen und unter Einbindung aller Stakeholder*innen, die Ziele, gewünschte Nutzungen sowie Betrieb und Verantwortungen zu klären. Wirksame Antworten liegen nicht in effizienter Software-gestützter Planung, sondern in der Verbindung von Fachwissen und Alltagswissen. Genau hier entstehen die Erkenntnisse, die Bauvolumina reduzieren können. Baureduktionsplanung fragt: Welche Funktionen werden tatsächlich benötigt? Wie lassen sich existierende Flächen bzw. Kubaturen besser nutzen oder teilen? Welche Nutzungen lassen sich kombinieren und wie lässt sich das am besten organisieren?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird entschieden, ob und was gebaut bzw. umgenutzt oder umgebaut werden muss. Katharina Forster, Partnerin bei nonconform: „Der wichtigste Baustoff ist Hirnschmalz. Wenn wir zuerst klären, was wirklich gebraucht wird, können wir oft deutlich weniger bauen – und gleichzeitig bessere Lösungen entwickeln. Baureduktion ist demnach kein Verzicht. Es geht darum, Investitionen klüger einzusetzen – und mit weniger (neu) bebauter Fläche mehr Nutzen zu schaffen.“ Johanna Treberspurg, Partnerin bei nonconform: „Baureduktionsplanung präzisiert das Spielfeld für die Entwurfsplanung und sorgt am Anfang des gesamten Planungs- und Bauprozesses dafür, dass an dessen Ende zufriedene Nutzerinnen und Nutzer stehen, die sich mit dem neuen Raumangebot stärker identifizieren.“
Strategien der Baureduktionsplanung
Baureduktionsplanung nutzt ein methodisches Instrumentarium, das über das klassische Paradigma „Reduce, Reuse, Recycle“ hinausgeht und den Handlungsspielraum vergrößert:
Refuse: die Ablehnung einer Bauaufgabe, wenn die Analyse zeigt, dass der Bestand bei effizienterer Nutzung bereits ausreicht. Das schützt vor Fehlinvestitionen und „versunkenen Kosten“ in unrentable Gebäudestrukturen.
Reframe: häufig der wirkmächtigste Eingriff, ohne einen einzigen Stein zu bewegen. Durch die Veränderung des Blicks, der Organisation oder der Nutzungsrhythmen wird der Raum transformiert. Hierbei hilft die sogenannte „Baureduktions-Brille“, die gezielt nach Synergien, Kooperationen und der Aktivierung von Verkehrsflächen für Zusatznutzungen sucht. Es geht darum, nicht ausgeschöpfte Nutzungskapazitäten des jeweiligen Raumsystems zu erkennen und unsichtbaren Leerstand zu vermeiden (z. B. in Abendstunden und Ferienzeiten ungenutzte Schulgebäude).
Repair: Bestehende Substanz wird – so schonend wie möglich – angepasst. Wo bauliche Eingriffe unvermeidbar sind, setzt Baureduktionsplanung auf Kreislauffähigkeit und reversible Lösungen.
Dieser integrierte Planungsmodus verbindet räumliche Analyse mit organisationsbezogenem Denken und partizipativer Aushandlung. Durch den gemeinsamen Lernprozess zwischen Auftraggeber*innen, Nutzenden und Planenden werden Ziele geschärft und alternative, oft nicht-bauliche Lösungen identifiziert. Wie diese Logik in der Praxis wirkt, zeigen aktuelle Beispiele aus dem nonconform-Werkkatalog. Sie werden hier kurz vorgestellt, detaillierte Informationen und Factsheets finden sich unter den angegebenen Links.
FH Vorarlberg: Reorganisation eines wachsenden Campus

Die FH Vorarlberg wächst kontinuierlich. Um dieses Wachstum am Standort Dornbirn zu bündeln, setzt sie auf die Weiterentwicklung des Bestands – durch Sanierung, Erweiterung und Aufstockung – und minimiert dabei die zusätzliche Flächenversiegelung. Unter Einbindung der gesamten Hochschul-Gemeinschaft ordnete nonconform die Räumlichkeiten der FH Vorarlberg gedanklich neu und situierte die Organisationseinheiten nach funktionalen Zusammenhängen einer modernen Arbeitswelt.
nonconform begleitete den Reorganisationsprozess von den ersten konzeptionellen Überlegungen bis zur Einrichtungsplanung und Besiedlung der umgestalteten Gebäude. Entscheidend war dabei ein tiefes Verständnis dafür, wie der komplexe Organismus der Fachhochschule funktioniert und wie dort gearbeitet und geforscht wird. Herausforderung war die intelligente Ergänzung des gewachsenen FH-Gebäudeensembles sowie die optimale Nutzung und funktionale Neuorganisation bestehender Flächen. Unter breiter Beteiligung der Belegschaft entstand an zwei intensiven Tagen ein Raum- und Funktionsprogramm als Grundlage für die Wettbewerbsausschreibung.
Volksschule Kottingbrunn: zukunftsfit im Bestand

Die Volksschule in Kottingbrunn zeigt, wie frühzeitige Einbindung aller Betroffenen Wirkung entfalten kann – inhaltlich, räumlich und menschlich. In einem intensiven, dreitägigen Beteiligungsprozesses entwickelte nonconform mit Schulkindern, Lehrkräften und zahlreichen Interessierten ein Gesamtbild mit klaren Raum-Strategien, die den Bestand zukunftsfit machen. Weniger Ressourceneinsatz generiert erheblichen Mehrwerte. In der Mitte der neuen alten Volksschule schlägt nun ein gemeinsames Herz: die Aula. Lernen, Ganztagsbetreuung und andere Funktionen sind um das Herz organisiert. Der Fokus liegt auf Flexibilität und Mehrfachnutzung sowie klar definierten Freiräumen mit unterschiedlichen Qualitäten, darunter ein autofreier Schulvorplatz als Begegnungsort. Bauliche, organisatorische, freiräumliche und pädagogische Veränderung befördern einander wechselseitig.
Die von nonconform entwickelten Konzepte wurden vom Büro Klammer Zeleny Architekten und dem Büro korbwurf landschaftsarchitektur weiterentwickelt. Es entstand eine lichtdurchflutete, mit dem Freiraum verwobene, zeitgemäßes Lernen und Lehren unterstützende Schule. „Die nebeneinander existierenden Raum-Systeme für den Vormittag und den Nachmittag wurden intelligent verknüpft und dadurch viel mehr Nutzungsoptionen für die Kinder, die Pädagogik und uns als Gemeinde geschaffen“, sagt Kottingbrunns Gemeindevorstand Wolfgang Haas, Projektinitiator der Phase Null.
Kärntner Sparkasse: Neue Arbeitswelten im denkmalgeschützten Bestand

Die Kärntner Sparkasse entwickelt gemeinsam mit nonconform ihr Headquarter der Zukunft: Digitalisierung und neue Arbeitsanforderungen verlangen bauliche Veränderungen – und damit eine Standortentscheidung sowie ein passendes räumliches Konzept. In Stakeholder-Workshops fällt zunächst eine Entscheidung für den besten Standort des künftigen Headquarters: Die neue Arbeitswelt soll in den bestehenden Hauptsitz, ein denkmalgeschütztes Gründerzeithaus im Klagenfurter Stadtzentrum, einziehen. Neuversiegelungs-Saldo: Null.
Im traditionsreichen Gebäude in der Innenstadt kommt die Sparkasse ihren Anforderungen als Arbeitgeberin, Bank und gesellschaftliche Verantwortungsträgerin nach: in modernen und offenen Büroräumlichkeiten, durch neue Formen der Interaktion mit Kund*innen und eine aktivere Rolle im städtischen Leben. Das Stadthaus beherbergt neben dem zeitgemäßen Bankbetrieb nun ein Café, ein Museum, Räume für Weiterbildung rund ums Geld, eine Skybar und ein Veranstaltungszentrum. „Das Haus brummt jetzt wie ein Bienenstock“, sagt Markus Ogris-Linder, Leitung Human Resources, Kärntner Sparkasse AG.
Tourismusregion Hochschwarzwald: Zukunftsentwicklung mit 21 Kommunen

Die Tourismusregion Hochschwarzwald besteht aus 21 Gemeinden und denkt voraus: Gute Orte, in denen Menschen sich wohlfühlen, bilden die Grundlage für ein gelingendes Wachstum der Region.
nonconform entwickelt in einer großen gemeinsamen Zukunftsreise eine verbindende Strategie für lebenswerte Orte, die als Tourismusregion nach außen wirken. Die Einbindung von Bürger*innen, Verwaltung, Politik und Tourismuswirtschaft erfolgte hybrid: mittels digitaler Austauschformate, mit Online-Umfragen sowie ausführlicher Vor-Ort-Entwicklungsarbeit wurden Zukunftsorte identifiziert und Impulsprojekte auf Schiene gebracht.
Über 400 Personen nutzten die Möglichkeit, sich digital einzubringen. Beim regelmäßigen Online-Zukunfts-Espressi stimmten sich die Vertreter*innen der Kommunen auf das gemeinsame Weiterentwickeln ein und ab. Mit viel Wissen im Gepäck bereiste nonconform anschließend in einer Zukunftswoche die gesamte Region und arbeitete in allen 21 Gemeinden mit mehreren Teams an konkreten Impulsprojekten. Dabei kristallisierte sich rasch heraus, dass Qualität durch Klarheit, Ordnung und bewusste Entscheidungen gegen Maßnahmen entsteht. „In unserer Entwicklungsstrategie spielt ‚Weglassen“ eine ganz wichtige Rolle. Wir richten den Fokus bewusst auf kleine Impulsprojekte, von denen Einheimische und Gäste gleichermaßen profitieren“, sagt Patrick Schreib, Geschäftsführer Hochschwarzwald Tourismus GmbH.
Ruhstorf an der Rott: belebte Mitte statt Leerstand

Die Gemeinde Ruhstorf an der Rott erwarb mit dem „Mathäser Areal“ eine leerstehende ehemalige Gastwirtschaft samt Hotel im Ortskern. Gemeinsam mit den Bürger*innen, den politisch Verantwortlichen und zudem der Städtebauförderung entwickelte nonconform eine Zukunftsstrategie zum Umgang mit der Immobilie und zur Stärkung der Ortsmitte.
Die starke Vision am Beginn der Zentrumsentwicklung wirkte für den gesamten Umsetzungsprozess als Richtungskompass. Die Kommune übernimmt Verantwortung und schafft einen belebten Mittelpunkt als Entwicklungsimpuls für das Umfeld. nonconform transformierte das im Beteiligungsprozess generierte Wissen und der darauffolgenden Machbarkeitsstudie in einen Qualitätenkatalog für den europaweit ausgeschriebenen Architekturwettbewerb.
Bergisch Gladbach: Entwicklungsstrategien für eine stillgelegte Papierfabrik

Bis vor wenigen Jahren wurde auf dem Zanders-Areal in der nordrhein-westfälischen Stadt Bergisch Gladbach Papier produziert. Jetzt sind allerdings 37 ha Industrieareal inmitten des Stadtzentrums Leerstand. Die Stadtgemeinde beauftragte nonconform, gemeinsam mit den Bürger*innen Entwicklungsstrategien für das urbane Brownfield zu erarbeiten. Aufgrund der Corona-Pandemie kam es 2020 zu einer hybriden Ideenwerkstatt, für die das Areal erstmals für Interessierte zugänglich gemacht wurde.
Zahlreiche Personen brachten sich ein, sowohl vor Ort (z. B. im Rahmen von Spaziergangs-Workshops), als auch in digitalen Workshops. Expert*innen unterstützten beim Weiterentwickeln der gesammelten Ideen.
Das Ergebnis des breit angelegten Beteiligungsprozesses bilden zehn Leitlinien, die als Grundlage für einen Strukturplan gelten. Das Zanders-Areal soll sich zur Stadt hin öffnen und ein Experimentierfeld werden, das sich prozesshaft weiterentwickeln kann. Die Beteiligungsarbeit wurde durch das nonconform-Projektteam mit regelmäßigen Bürger*innenforen weitergeführt. Pionier*innen erhalten die Möglichkeit, sich leerstehenden Gebäude und Freiflächen anzueignen, Dinge auszuprobieren und somit ihre Stadt aktiv zu gestalten. Im Mai 2026 eröffnet mit dem Gleispark endlich ein erster neuer öffentlicher Grünraum am Areal.
Über nonconform
nonconform ist ein Büro für Zukunftsraum-Entwicklung mit Standorten in Österreich und zudem Deutschland. Das interdisziplinäre Team begleitet Kommunen, Organisationen und Unternehmen bei der Entwicklung von Ortszentren, Bildungsarealen, Quartieren und Transformationsflächen – von kleinen Gemeinden bis zu großen Stadtentwicklungsprojekten. Im Mittelpunkt steht die Baureduktionsplanung: ein strategischer Planungsansatz, der darauf abzielt, mit möglichst wenig baulichem Eingriff möglichst viel Wirkung zu erzielen. Roland Gruber und Peter Nageler gründeten übrigens nonconform.
Mehr zu nonconform findest du übrigens hier.